Bindungs- bzw. Komplextrauma

Was ist ein Bindungs- bzw. Komplextrauma?

Bindung entsteht durch emotionale Verfügbarkeit und feinfühliges Verhalten. Widerstandskraft und Selbstregulationsfähigkeit und damit die lebenslange körperliche, geistige und seelische Gesundheit eines Menschen werden beeinflusst von der Qualität der frühen Bindung. Menschen kommen mit einem angeborenen Bedürfnis nach Bindung auf die Welt. Eine frühe sichere und einfühlsame Bindung zu einer verlässlichen Bezugsperson ist überlebenswichtig.

Sichere Bindung kann nicht gelernt, sondern nur erfahren werden. Das verinnerlichte Bindungsmuster prägt die Sicht auf sich selbst, auf die Welt und das individuelle Verhalten in Stress- und Krisensituationen, z.B. bei Veränderung.

Ein Bindungs- bzw. Komplextrauma wird auch Entwicklungstrauma genannt. Sie können entstehen durch einen längeren Mangel an emotionaler Zuwendung und Sicherheit, z.B. bei Menschen, die als Kind durch körperliche, sexuelle und emotionale Vernachlässigung oder Gewalt chronisch traumatisiert wurden. Bindungsstörungen sind also die Folge früher Traumatisierungen, die zu Änderungen in der Entwicklung des Gehirns führen und im Jugend- oder Erwachsenenalter die Grundlage psychischer Erkrankung darstellen können. Andersherum helfen uns Bindung und Kontakt traumatische Erlebnisse zu überwinden und zu heilen.

Dabei gilt, dass Traumafolgesymptome je stärker auftreten, je stärker der Übergriff auf die seelische und körperliche Integrität und Unversehrtheit des Kindes war, je früher es passierte, je länger es dauerte und je näher der/dieTäter/in dem Kind stand.

Kinder verarbeiten grundsätzlich schuldhaft, d.h., sie suchen die Schuld immer bei sich und müssen die Täter/in schützen und eine gute innere Repräsentation von ihm/ihr aufrechterhalten, weil sie von ihr existentiell abhängig sind. Andernfalls könnten sie nicht überleben (strukturelle Dissoziation).

Uns ist wichtig darauf hinzuweisen, dass darunter auch scheinbar (für das Kind) normale, alltägliche Verhaltensweisen der Bezugspersonen fallen können. Diese können ständig negative, abwertende oder ablehnende Aussagen der Eltern sein: „Na, das wird ja nichts mehr mit Dir.“, „Du bringst mich noch ins Grab!“, „Geh auf Dein Zimmer, Du nervst.“, „Reiß Dich endlich mal zusammen.“

Einzelne Ereignisse können in der Folge auf ein Kind traumatisierend wirken, z.B. der Tod eines Geschwisters (im Mutterleib), eine schwierige Geburt. Aber auch dauerhaft fehlende bedürfnisorientierte Erziehung oder unsichere Bindungsangebote der Bezugspersonen können komplexe Traumafolgesymptome auslösen.

Hier können Sie einen Termin für ein kostenloses Erstgespräch buchen.